Zahl des Monats  Sep­tem­ber 2017 

Nach dem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen zwi­schen Kas­sen und Apo­the­ker­schaft muss nun die Schieds­stel­le über Erstat­tungs­prei­se für par­en­te­ral zu ver­ab­rei­chen­de onko­lo­gi­sche Arz­nei­mit­tel entscheiden.

  • Ende August sind die Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Spit­zen­ver­bän­den von Apo­the­ker­schaft und Kran­ken­kas­sen geschei­tert, die den gesetz­li­chen Auf­trag hat­ten, sich in der soge­nann­ten Hilfs­ta­xe auf neue Erstat­tungs­prei­se für par­en­te­ral zu ver­ab­rei­chen­de onko­lo­gi­sche Arz­nei­mit­tel zu einigen.
  • Nun neh­men zwei Rege­lungs­in­stru­men­te die Prei­se für onko­lo­gi­sche Gene­ri­ka in die Zan­ge:
    Ers­tens muss die Schieds­stel­le eine Lösung fin­den und zwei­tens schrei­ben zeit­gleich vie­le Kran­ken­kas­sen Rabatt­ver­trä­ge für lebens­wich­ti­ge Gene­ri­ka zur Behand­lung von Krebs­er­kran­kun­gen aus.
  • Ver­sor­gungs­kri­ti­sche Gene­ri­ka gera­ten so unter enor­men Kostendruck.

Das Arz­nei­mit­tel-Ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­setz (AMVSG) hat Rabatt­ver­trä­ge, die eini­ge Kran­ken­kas­sen mit Apo­the­ken über die Zyto­sta­ti­ka­ver­sor­gung geschlos­sen hat­ten, abge­schafft. Statt­des­sen wur­den der Deut­sche Apo­the­ker­ver­band und der GKV-Spit­zen­ver­band beauf­tragt, bis Ende August Erstat­tungs­prei­se für par­en­te­ral zu ver­ab­rei­chen­de Krebs­arz­nei­mit­tel – dar­un­ter zahl­rei­che Gene­ri­ka – neu aus­zu­han­deln. Die­se Ver­hand­lun­gen sind geschei­tert; nun ent­schei­det die Schiedsstelle.

Ohne jedoch die­se Ergeb­nis­se abzu­war­ten, die vor­aus­sicht­lich zu einem spür­ba­ren Absen­ken der Erstat­tungs­prei­se für vie­le in der Apo­the­ke zuzu­be­rei­ten­de lebens­wich­ti­ge Gene­ri­ka füh­ren wer­den, sind eini­ge Kran­ken­kas­sen bereits vor­ge­prescht und haben Rabatt­ver­trä­ge mit phar­ma­zeu­ti­schen Her­stel­lern für eben die­se Krebs­arz­nei­en aus­ge­schrie­ben, die bereits zum Okto­ber star­ten sollen.

Gene­ri­sche Zyto­sta­ti­ka sind jedoch beson­ders kom­plex und anspruchs­voll in der Her­stel­lung, wes­we­gen es oft ohne­hin nur weni­ge Her­stel­ler gibt. In der Ver­gan­gen­heit ist es daher, wie z. B. bei dem Wirk­stoff 5‑Fluorouracil, bereits zu Ver­sor­gungs­eng­päs­sen bei Krebs­pa­ti­en­ten gekom­men. Der Preis­druck hat­te dazu geführt, dass Her­stel­ler sich aus der Ver­sor­gung zurück­zie­hen muss­ten und die ver­blie­be­nen Unter­neh­men den Bedarf nicht decken konnten.

Aus­ge­rech­net sol­che lebens­wich­ti­gen Gene­ri­ka gera­ten nun unter mas­si­ven Kos­ten­druck. Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land kann es aber lang­fris­tig nur geben, wenn nicht nur für die Kas­sen der Ein­kauf von Arz­nei­mit­teln „wirt­schaft­lich“ ist, son­dern sich auch deren auf­wen­di­ge Her­stel­lung, die umfas­sen­de Qua­li­täts­über­wa­chung und die Lager­hal­tung für die Unter­neh­men wirt­schaft­lich dar­stel­len. Dafür hat die Schieds­stel­le nun eine Mitverantwortung.

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