Zahl des Monats  84  Novem­ber 2016 

Der Ent­wurf des Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­set­zes (AMVSG) sieht bis­lang die Ein­füh­rung von Rabatt­ver­trä­gen für gene­ri­sche Zyto­sta­ti­ka mit den phar­ma­zeu­ti­schen Her­stel­lern vor. 

Wird die­ses Vor­ha­ben in der jet­zi­gen Form umge­setzt, kön­nen Lie­fer- und mög­li­cher­wei­se sogar Ver­sor­gungs­eng­päs­se in die­sem wich­ti­gen Ver­sor­gungs­be­reich nicht aus­ge­schlos­sen werden.

  • Bei den aktu­ell lau­fen­den AOK-Rabatt­ver­trä­gen zeigt sich, dass bei 84 Pro­zent der Wirk­stof­fe, die exklu­siv ver­ge­ben wur­den, ledig­lich ein ein­zi­ger Her­stel­ler den Zuschlag für alle acht Gebiets­lo­se erhal­ten hat.
  • Wür­de die­ses Modell der exklu­si­ven Rabatt­ver­trä­ge nun auf gene­ri­sche Zyto­sta­ti­ka ange­wen­det, aus denen in Apo­the­ken die pati­en­ten­in­di­vi­du­el­len Zube­rei­tun­gen für die Krebs­the­ra­pie her­ge­stellt wer­den, bedeu­te­te das, dass die Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Wesent­li­chen von der Lie­fer­fä­hig­keit eines ein­zi­gen Unter­neh­mens abhinge.
  • Fie­le die­ses aus, hät­te dies fata­le Fol­gen, da mit hoher Wahr­schein­lich­keit kein ande­res Unter­neh­men kurz­fris­tig ein­sprin­gen und die Ver­sor­gung sicher­stel­len könnte.

Auf­grund ihrer Grö­ße und Markt­macht müs­sen die gro­ßen Kran­ken­kas­sen aus­ge­schrie­be­ne Wirk­stof­fe oft­mals in regio­na­le Gebiets­lo­se auf­tei­len. Die AOKs bei­spiels­wei­se tei­len Deutsch­land in ins­ge­samt acht Gebiets­lo­se auf.

Eine Ana­ly­se der aktu­ell lau­fen­den Rabatt­ver­trä­ge der AOKs (Aus­schrei­bungs­run­den XIV – XVII) zeigt für die Wirk­stof­fe, für die eine Exklu­siv­ver­ga­be aus­schließ­lich an einen Her­stel­ler erfolgt ist,  dass in 84 Pro­zent der aus­ge­schrie­be­nen Wirk­stof­fe ein Her­stel­ler oder eine Bie­ter­ge­mein­schaft den Zuschlag für alle acht Gebiets­lo­se erhal­ten hat. Die Auf­tei­lung Deutsch­lands in Gebiets­lo­se läuft somit fak­tisch ins Leere.

Der Ent­wurf des AMVSG sieht vor, dass Kran­ken­kas­sen – und dies auf Lan­des­ebe­ne sogar gemein­sam – zukünf­tig auch gene­ri­sche Zyto­sta­ti­ka exklu­siv bei den Her­stel­lern aus­schrei­ben sollen.

In einem so sen­si­blen Bereich wie dem der Krebs­me­di­ka­men­te dürf­ten die Fol­gen für die Ver­sor­gung der Pati­en­ten erheb­lich sein. Denn ange­sichts der Erfah­run­gen mit den bis­he­ri­gen exklu­si­ven Aus­schrei­bun­gen ist davon aus­zu­ge­hen, dass auch bei den Zyto­sta­ti­ka ledig­lich ein Her­stel­ler alle Gebiets­lo­se für einen Wirk­stoff gewinnt, mit der Fol­ge, dass die Ver­sor­gung der Pati­en­ten von einem ein­zi­gen Her­stel­ler geschul­tert wer­den muss. Tre­ten bei die­sem Her­stel­ler, bei­spiels­wei­se wegen Pro­duk­ti­ons­pro­ble­men oder Wirk­stoff­knapp­heit, Lie­fer­eng­päs­se auf, ist mit direk­ten Aus­wir­kun­gen auf die Pati­en­ten­ver­sor­gung zu rech­nen. Denn die ande­ren Her­stel­ler haben sich man­gels Zuschlag aus der Pro­duk­ti­on zurück­ge­zo­gen und kein Her­stel­ler kann ad hoc den Wirk­stoff pro­du­zie­ren und für die Pati­en­ten­ver­sor­gung zur Ver­fü­gung stellen.

Aber gera­de bei der medi­ka­men­tö­sen Bekämp­fung von Krebs darf das – legi­ti­me – Inter­es­se der Kas­sen, dass Rabat­te dem Gesund­heits­sys­tem zugu­te­kom­men, nicht zulas­ten der Ver­sor­gungs­si­cher­heit gehen. Daher gilt es, eine Lösung zu fin­den, die dies gewähr­leis­tet – Rabatt­ver­trä­ge für ver­sor­gungs­kri­ti­sche Arz­nei­mit­tel sind aller­dings nicht der rich­ti­ge Weg.

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