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AMVSG: Kos­ten­druck wei­ter ver­schärft, Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Gefahr

Heu­te steht die Ver­ab­schie­dung des Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­set­zes (AMVSG) auf der Agen­da des Deut­schen Bun­des­tags. Hier­zu erklärt Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Generika:

„Mit dem AMVSG wird der Preis- und Kos­ten­druck, der ohne­hin bereits auf Gene­ri­ka las­tet, wei­ter ver­stärkt. Der Kos­ten­druck ist jedoch eine bei Exper­ten längst aner­kann­te Ursa­che für das Auf­tre­ten von Arz­nei­mit­tel­eng­päs­sen. Das AMVSG ver­fehlt hier klar das Ziel, Eng­päs­sen ursäch­lich zu begeg­nen und Leit­plan­ken für Ver­sor­gungs­si­cher­heit einzuziehen.“

Drei kon­kre­te Beispiele:

  • Ein­füh­rung von Rabatt­ver­trä­gen für Krebs­me­di­ka­men­te: Arz­nei­mit­tel zur Krebs­be­kämp­fung sol­len jetzt eben­falls dem Rabatt­ver­trags­re­gime unter-wor­fen wer­den, obgleich hier vie­le Risi­ken für die Ver­sor­gung zusam­men kom­men. Bereits heu­te gibt es für eini­ge lebens­ret­ten­de onko­lo­gi­sche Gene­ri­ka nur noch weni­ge Her­stel­ler. Die rea­len Erstat­tungs­prei­se sind bereits extrem nied­rig. Dem­ge­gen­über ist aber die Her­stel­lung von Krebs-medi­ka­men­ten äußerst auf­wen­dig, zudem sind sie zeit­lich nur begrenzt lager­fä­hig. Die Kon­se­quenz: Lie­fer­eng­päs­se bei ein­zel­nen Her­stel­lern wer­den hier schnell zu ech­ten Ver­sor­gungs­eng­päs­sen. Die­se Neu­re­ge­lung ist damit nicht versorgungssicher.
  • Ver­zicht auf die Mehr­fach­ver­ga­be bei Gene­ri­ka-Rabatt­ver­trä­gen: Zwar soll das Gesetz Unter­neh­men, die an Rabatt­ver­trä­gen teil­neh­men, etwas mehr Pla­nungs­si­cher­heit geben, um die benö­tig­ten Medi­ka­men­te vor dem Lie­fer-beginn her­stel­len und Lager­be­stän­de auf­zu­bau­en zu kön­nen. Eine sinn­vol­le Rege­lung; ins­ge­samt aber ver­fehlt das AMVSG klar das Ziel, Eng­päs­sen ursäch­lich etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, indem z. B. die Ver­ant­wor­tung für die Ver­sor­gung auf meh­re­re Schul­tern ver­teilt wür­de. Eng­päs­se ent­ste­hen nicht nur am Anfang, son­dern vor allem wäh­rend der zwei­jäh­ri­gen Lauf­zeit der Rabatt­ver­trä­ge. Durch einen ergän­zen­den Halb­satz im Gesetz hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen, dass selbst bei ver­sor­gungs­kri­ti­schen Arz­nei­mit­teln wie Anti­bio­ti­ka, Anti­epi­lep­ti­ka und HIV-Medi­ka­men­ten die gesam­te Ver­ant­wor­tung für die Pati­en­ten­ver­sor­gung einer Kran­ken­kas­se von einem ein­zel­nen Unter­neh­men geschul­tert wer­den muss – mit allen damit ver­bun­de­nen Risi­ken bei Lieferausfällen.
  • Ver­län­ge­rung des Preis­mo­ra­to­ri­ums bis 2022: Das Preis­mo­ra­to­ri­um zemen­tiert die Arz­nei­mit­tel­prei­se auf dem Niveau des Som­mers 2009. Schon die glo­ba­le Preis­ent­wick­lung für Arz­nei­mit­tel­wirk­stof­fe rich­tet sich jedoch nicht nach der deut­schen Sozi­al­ge­setz­ge­bung. Vie­le Wirk­stof­fe sind auf dem Welt­markt zu dem Preis­ni­veau von 2009 nicht zu bezie­hen. Fol­ge: Unter­neh­men müs­sen ihr Pro­dukt­port­fo­lio wei­ter ver­schlan­ken. Medi­ka­men­te, Dar­rei­chungs­for­men oder bestimm­te Wirk­stär­ken, deren Her­stel­lung für Unter­neh­men nicht län­ger wirt­schaft­lich ist, müs­sen aus­sor­tiert wer­den – eine wei­ter stei­gen­de Markt­ver­en­gung ist die Folge.

„Unter dem Strich wird das Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­setz sei­nem Namen nicht gerecht. Es ver­fehlt das Ziel, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land zu stär­ken“, so Brett­hau­er abschließend.

https://stage.progenerika.de/app/uploads/2020/09/PM-vom‑9.3.2017_AMVSG_Keine-Leitplanken-fuer-mehr-Versorgungssicherheit.pdf